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Pressemitteilung

Montag, 15.02.2021

Tanzaktion "One Billion Rising" fand virtuell statt - Schluss mit Gewalt an Frauen und Mädchen

Teilnehmerinnen (nicht vollständig) der virtuellen Tanzaktion "One Billion Rising 2021"

Wegen der Corona-Lage hatte Gleichstellungsbeauftragte Franca Calvano in Kooperation mit dem FrauenNetzwerk Wülfrath die Aktion ins Netz verlegt. 

Die Choreographie übernahm wieder Tänzerin Andrea Berster-Lingk. Die Frauen kamen nicht wie sonst auf dem Heumarkt zusammen, um ein Ende der Gewalt an Frauen und Mädchen zu fordern, sondern trafen sich im Rahmen einer Videokonferenz. 

Vor Beginn der Tanzaktion richtete Calvano einen Appell an die Öffentlichkeit:

„One Billion Rising, eine Milliarde Menschen erhebt sich, findet am 14. Februar weltweit und seit Jahren auch in Wülfrath statt. Es ist eine Protest-Aktion gegen Gewalt an Frauen und Mädchen mit einer eindeutigen Botschaft: Es reicht! Schluss mit jeglicher Gewalt an Frauen und Mädchen!

Wegen der Corona-Pandemie erheben wir uns in diesem Jahr in Wülfrath virtuell, aber umso entschiedener, um uns mit all den Frauen und Mädchen in der ganzen Welt zu solidarisieren, die Opfer von Gewalt sind, von physischer, sexueller und  psychischer Gewalt.

Denn gerade jetzt, in der Corona-Pandemie, in der viele Menschen isoliert leben und arbeiten, muss die Gewalt gegen Frauen und Mädchen sichtbar gemacht werden. Durch die Isolation steigt die Gefahr der häuslichen Gewalt. Das Ausmaß der Fälle wird uns in den kommenden Monaten und auch Jahren beschäftigen.

Es  braucht mutige Frauen und Männer, die sich trauen hinzuschauen, die sich trauen, sich einzumischen, die den Mut besitzen ein mitfühlendes und unterstützendes Miteinander zu leben. Weltweit gibt es bereits viele mutige Mädchen und Frauen,  die gegen das Unrecht protestieren.

Polnische Aktivistinnen, wie Marta Lempart, erheben sich für ihre Rechte. Die Lage der Frauen in Polen hat sich seit 2015 mit der rechtskonservativen Regierung erheblich verschlechtert. Der Staat hat NGO-Mittel gestrichen, die Opfern von häuslicher Gewalt helfen. Die Abtreibungsgesetze wurden so verschärft, dass Frauen gezwungen werden, schwerstkranke Kinder zur Welt zu bringen oder in die Illegalität abzutauchen.

Frauen wie die 21-jährige Hadja Bah, kämpfen für die Verbesserung der Lage von Frauen und Mädchen in Guinea. 97% sind beschnitten und 52% werden minderjährig verheiratet. Immer noch sterben viele Frauen bei der Geburt, häusliche Gewalt ist an der traurigen Tagesordnung.

Leider ist die Lage von Frauen in Deutschland nicht so gut, wie die meisten zugeben wollen. Täglich versucht ein Mann in Deutschland, seine (Ex-)Partnerin zu töten. Jeden dritten Tag findet ein solches Verbrechen tatsächlich statt. Angesichts zunehmender Fälle klagen Aktivist:innen über zu milde Strafen für Täter (Quelle: DW).

„Gewalt gegen Frauen kommt in allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten vor und muss überall effektiv unterbunden werden“, sagt auch Vanessa Bell von „Terre des Femmes Deutschland“. Und Juristin Julia Schäfer ergänzt: „Häusliche Gewalt ist keine Frage der Religion, Nationalität oder Bildung. Jede und jeder ist angehalten, hinzuschauen und Hilfe anzubieten, statt zu sagen, das ist eine Familienangelegenheit, da halte ich mich raus.“

Und auch das ist traurige Realität: Eine Studie des Bundes hat ergeben, dass Frauen mit Behinderungen in Deutschland zwei- bis dreimal öfter Opfer von sexueller und körperlicher Gewalt betroffen sind, als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt.

Hassnachrichten, Beleidigungen, sexistische und bedrohende Kommentare – auch digitale Gewalt nimmt zu, laut einer Umfrage von Plan International. 70% der jungen Frauen in Deutschland haben schon Gewalt und Belästigung in sozialen Medien erlebt.

Digitale Gewalt hat weitreichende Folgen: 42 Prozent der Betroffenen leiden unter psychischen Folgen, 24 Prozent fühlen sich auch physisch unsicher und 38 Prozent änderten aufgrund von Online-Belästigungen ihr Verhalten auf Social Media: Sie sagen weniger ihre Meinung oder verlassen die Plattform.

Social Media-Unternehmen sind gefordert wirksame Meldemechanismen speziell für digitale Gewalt zu schaffen, durch die Täter:innen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Nach 1001 Tagen in Haft ist in diesen Tagen die saudi-arabische Frauenrechtsaktivistin Ludschain al-Hathlul freigekommen. Al-Hathlul war im Mai 2018 mit rund einem Dutzend anderer Frauenrechtsaktivistinnen festgenommen worden, an deren Seite sie seit langem gegen das Autofahrverbot für Frauen gekämpft hatte. Nur wenige Wochen später wurde das seit Jahrzehnten geltende Fahrverbot in Saudi-Arabien aufgehoben.

Liebe Frauen, lassen Sie uns diese weltweite mutige Frauenkraft in uns aufnehmen. Wir sind stark, wenn wir uns zusammentun. Erheben wir uns gemeinsam und handeln: 

Wir sagen „Nein“ zu frauenfeindlichen und frauenverachtenden Aussagen! 

Wir sagen „Nein“ zu Gewalt, Vergewaltigungen, Diskriminierungen hier und in der ganzen Welt! 

Wir sagen „Nein“ zu Faschismus, Rassismus und Sexismus!

Wir alle stehen gemeinsam in der Verantwortung, für uns selbst und für die Gesellschaft! Es liegt an uns allen, welche Chancen wir gemeinsam ergreifen, für eine friedvolle und gewaltlose Welt.

Die Beraterinnen des bundesweiten Hilfetelefons sind unter Tel.: 08000 116 016 rund um die Uhr erreichbar – anonym und kostenfrei.“

Info zum FrauenNetzwerk Wülfrath gibt es hier: www.fn-wuelfrath.de

 

 

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