Wülfrather Kalk

Wülfrath liegt im größten Kalksteinabbaugebiet Europas. Seit dem Mittelalter wurde hier Kalkstein gebrochen und gebrannt, um als Düngemittel und Baustoff Verwendung zu finden.

Mit dem Boom der Stahlindustrie während der Industrialisierung wuchs auch die Nachfrage nach gebranntem Kalk - dem wichtigen Zuschlagstoff bei der Stahlerzeugung. In den kleinen, oft im landwirtschaftlichen Nebenerwerb betriebenen Steinbrüchen rund um Wülfrath setzte die Mechanisierung ein und große Steinbruchbetriebe entstanden. Viele Arbeiter wurden angestellt. Die meisten kamen aus Italien, blieben für die Saison in Ledigenheimen und zogen im Winter nach Italien zurück oder wurden in Wülfrath sesshaft. Die Arbeit war körperlich anstrengend. Mit der Eisenbahn wurden neue Transportwege geschaffen und Schmalspurlokomotiven transportierten die gebrochenen Steine aus den Steinbrüchen hinaus. Große Stahlproduzenten wie August Thyssen engagierten sich in Wülfrath. Er betrieb mit dem Steinbruch Schlupkothen den ersten vollmechanisierten Kalksteinbruch Europas.

Der angrenzende Steinbruch, der sogenannte Bochumer Bruch, wurde 1890 von den Rheinischen Stahlwerken, Duisburg, gekauft und später vom Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation betrieben – daher die Namensgebung. 1958/59 waren die Kalksteinvorkommen in Schlupkothen und im Bochumer Bruch ausgebeutet. Der alte Tunnel, durch den der Kalksstein aus dem Bochumer Bruch mit Schmalspurlokomotiven abtransportiert wurde, ist heute der Zeittunnel Wülfrath.
(Fördermengen Bochumer Bruch und Schlupkothen)

Bochumer Bruch
Der Bochumer Bruch und der Steinbruch Schlupkothen wurden renaturiert.

Doch in anderen Steinbrüchen, die von den Rheinischen Kalksteinwerken Wülfrath (heute Rheinkalk GmbH) erschlossen wurden, wird bis heute Kalkstein abgebaut.

2002 wurden im Steinbruch Rohdenhaus Nord 9 Millionen Tonnen Kalkstein gebrochen, der neben dem Großabnehmer Stahlindustrie im Umweltschutz, die Zuckerfabrikation, die Bauindustrie und in der Land-. und Forstwirtschaft Verwendung findet. Im Vergleich dazu: im Bochumer Bruch wurden von 1890 bis zur Stillegung 1958 auf 16 ha Fläche rund 18 Millionen Tonnen Kalkstein abgebaut.

Durch die natürliche Artenfolge (Sukzession) siedelten sich hier seltene Tiere und Pflanzen an, die in den abgeschlossenen Steinbrüchen ideale Lebensbedingungen fanden. Vor allem der Uhu hat in den letzten Jahren die Wülfrather und Wuppertaler Steinbrüche, aktive wie stillgelegte, zu seinem Revier erkoren.

Im Rahmen der Euroga 2002plus, der zweiten Regionalen in Nordrhein-Westfalen wurden diese Steinbrüche erstmalig zusammen mit der Eröffnung des Zeittunnels einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Rad- und Wanderfreunde finden hier eine spektakuläre Landschaft.

 
Birken im ehemaligen Kalksteinbruch
Birken im ehemaligen Kalksteinbruch
Der Schrägaufzug im Steinbruch Schlupkothen
Der Schrägaufzug im Steinbruch Schlupkothen
Blick in den Steinbruch Schlupkothen
Blick in den Steinbruch Schlupkothen